MARKUS KOBEL

2 x auf jede Liste - Liste 3 - Kantonsratswahlen 2017

Month: Februar 2012

Wer bezahlt die Zeche?

Zur Abstimmung über die Ferieninitiative vom 11.03.2012.

6 Wochen Ferien für alle? Das klingt doch verlockend! Doch dieser zusätzliche Ferienanspruch ist leider nicht gratis zu haben. Aber wer bezahlt den höheren Preis: die Arbeitnehmer oder die Arbeitgeber? Die Initianten erhoffen sich vor allem eine Entlastung für die Arbeitnehmer. Zweifellos ist das Berufsleben stressiger geworden, der Druck auf die Arbeitnehmer ist gross, entsprechend schlägt sich das oft auf die Gesundheit nieder. Aber ob sich die gesundheitlich bedingten Berufsausfälle mit 6 Wochen Ferien merklich verringern darf bezweifelt werden. Die KMU’s machen in der Schweiz 99.7 aller Betriebe aus und beschäftigen 67% aller Arbeitnehmer. Viele Betriebe werden es sich nicht leisten können, die durch zusätzliche Ferien ausfallenden Stunden mit neuen Arbeitskräften zu kompensieren. Der Arbeitnehmer muss mit Lohneinbussen rechnen, oder er muss die gleiche Arbeit in kürzerer Zeit erledigen. Der Druck wird dadurch noch grösser und bringt Mehrbelastungen anstelle einer Entlastung. In der Schweiz wird immer auf hohem Niveau gejammert. Zwar stehen wir im internationalen Vergleich bei Ferienanspruch und Wochenarbeitszeit nicht an der Spitze. Dagegen sind wir in Sachen Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Arbeitslosenquote top, wir haben den höchsten Wohlstand und die grösste Kaufkraft. Und nicht zuletzt ist die Schweiz das viertglücklichste Volk Europas (hinter Malta, Österreich und Dänemark). Wir haben kurze Arbeitswege, ausreichende und intakte Naherholungsgebiete, unzählige Freizeitmöglichkeiten, Wellness- und Sportangebote. Zudem haben die Schweizer heute schon im Schnitt rund 5 Wochen Ferien und 8 gesetzliche Feiertage. Wem dies nicht genügt, hat weitere Möglichkeiten, seine Belastung zu reduzieren, z.B. mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Teilzeitarbeit, Home-Office, etc. Wenn man nun aber im Giesskannenprinzip flächendeckend mindestens 6 Wochen Ferien gewährt, bleiben für solche individuellen und branchenspezifischen Lösungen kaum mehr Spielraum. Deshalb empfehle ich ein NEIN zur Initiative „6 Wochen Ferien für alle“.

Der Markt tickt anders

Zur Abstimmung über die Buchpreisbindung vom 11.03.2012.

Laut Wikipedia ist „Kultur“ alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. Die Befürworter der Buchpreisbindung sprechen vom Buch als Kulturgut, welches geschützt werden muss. Aber was ist mit den anderen Kulturgütern: der Musik, dem Filmschaffen, der Architektur? Das Buch an sich ist ja lediglich ein Träger, das eigentliche Kulturgut ist das Schaffen der Autoren selber. Dieses wird längstens nicht mehr nur als gedrucktes Buch an den Leser getragen. E-Books und Hörbücher haben Einzug gehalten, und genau diese Medien bieten auch jungen, unbekannten Autoren eine Chance sich zu präsentieren. Dasselbe ist in der Musikbranche geschehen. Wo früher ohne Plattenfirma nichts ging, können sich heute Künstler auf Online-Plattformen einer breiten Masse präsentieren, wodurch wir mittlerweile eine in der Schweiz nie dagewesene Musikvielfalt haben. Natürlich mussten viele kleine Plattenläden schliessen. Dies hat aber niemanden dazu bewogen Markteingriffe zu verlangen, ebenso wenig wie beim „Lädelistärbe“, welches hingenommen wird weil wir lieber im Coop und Migros einkaufen. Die Buchpreisbindung ist ein alter Zopf an welchem sich die Buchindustrie wie am letzten Strohhalm festzuhalten versucht. Doch auch hier werden die Konsumenten auf andere Kanäle ausweichen. Einige kleine Buchhandlungen werden deshalb leider schliessen müssen, mit oder ohne Buchpreisbindung, weil es der Markt so will (siehe Beispiel Deutschland). Gewinner wären einzig die Verleger, welche heute schon satte Margen einstreichen. Deshalb NEIN zur Buchpreisbindung, weil sie einer liberalen Marktwirtschaft widerspricht.

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