Kaum ein Thema scheidet momentan die Geister im Thal derart, wie die Diskussion um die geplanten Windparks auf den Jurahöhen. Von Verschandelung der Natur und fremden Vögten war die Rede. Als gebürtiger und immer noch verwurzelter Thaler liegt auch mir diese Region mit dem Naturpark Thal sehr am Herzen, und ich nehme gerne und oft den Weg durch die Klus unter die Räder um Freunde zu treffen, meine Eltern zu besuchen oder einfach auf einer Jurahöhe in einer der unzähligen gemütlichen Bergwirtschaften bei einem feinen Essen die Natur, die Ruhe und die Aussicht zu geniessen.

Ob Windräder die Natur verschandeln ist reine Geschmackssache und lässt sich objektiv kaum beurteilen. Ich war gerade diese Tage im Jura unterwegs und konnte mir ein Bild von den diversen bereits bestehenden Windparks machen, wo z.B. auf dem Mt.Crosin bereits seit 1996 Energie per Windkraft erzeugt wird. Unter Naturverschandelung stelle ich mir etwas anderes vor. Im Gegenteil: die zahlreichen Windräder sind mir auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen. Ein paar Windräder auf den Jurahöhen sind mir jedenfalls viel lieber als ein neuer Kühlturm mit entsprechender Dampfsäule im Niederamt. Wenn wir von der Atomenergie loskommen wollen, wovon ich aufgrund des latenten Risikos und der ungelösten Endlagerung überzeugt bin, müssen wir die vorhandenen natürlichen Ressourcen, die mit der Sonne und dem Wind ja auch bei uns in unerschöpflichen Massen vorhanden sind unbedingt nutzen und anzapfen! Natürlich werden mir jetzt ein paar Stimmen entgegnen, dass solch kleine Anlagen ja nicht viel bringen und dass man lieber grosse Anlagen dort bauen soll wo sie mehr bringen und niemanden stören. Natürlich stimmt auch das, aber wir können nicht die gesamte Verantwortung anderen zuschieben. Auch wir müssen unseren (wenn auch kleinen) Teil dazu beitragen, die erneuerbaren Energiequellen zu nutzen. Gerne zitiere ich dazu ein afrikanisches Sprichwort: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.“

Allein die geplante Windkraftanlage auf der Schwängimatt soll einen Drittel des Stromverbrauchs im Thal abdecken können. Einen Drittel der Stromproduktion in der Schweiz liefern auch die AKW’s. Mit nur einer Windkraftanlage könnte also der Atomstrom im Thal bereits ersetzt werden, womit das ganze Gebiet des Naturparks zu 100% mit erneuerbaren Energien versorgt werden könnte! Da soll mir noch jemand sagen, dass dies nicht verträglich ist mit der Juraschutzzone und dem Naturpark? Trotzdem kann und muss das Thal seine Traditionen bewahren, der „Geist der Rössli-Treppe“ schwebt immer noch über der gebeutelten Region, und es ist auch richtig sich mit vereinten Kräften für die gemeinsamen Interessen einzusetzen. Das Thal darf aber auch nicht stehenbleiben, man muss vermehrt fortschrittlich und nachhaltig denken und handeln. Und das Thal muss sich noch mehr nach aussen öffnen, Josef Munzinger war schliesslich auch kein Thaler. Aus dieser Sicht stellen die geplanten Windparks eine grosse Chance für das Thal dar. Am Eingangsportal zum Naturpark Thal könnten Sie zu einem Symbol, ja gar zu einem Wahrzeichen für eine vorbildliche, fortschrittliche, nachhaltige, jedoch trotzdem naturverbundene, traditionsbewusste und eigenständige Region werden. Eine Wahrnehmung, welche auf diese Weise ins ganze Mittelland, ja sogar in die ganze Schweiz ausstrahlen kann und somit dem Thal noch mehr Respekt verschafft und vielleicht sogar einen dringend notwendigen Impuls für die ganze Region setzt.

Der Ball liegt nun bei den Standortgemeinden. Sie können zwar nicht das Antlitz dieser Welt verändern, aber ich wünsche mir, dass sie den Mut und die Weitsicht haben, einen kleinen Schritt dazu zu tun. Denn das Thal wird auch mit dem Bau von ein paar Windrädern zweifellos nichts an seiner einzigartigen Attraktivität verlieren.